Sammelleidenschaft im Sekundentakt

Am Puls der Zeit

Eine Zeitreise mit den Navitimern von Breitling

Editorial


Genau, erst mal setzen. Sie öffnen heute für uns Ihre Breitlingsammlung? Was fasziniert Sie an diesen Uhren? Was ist das Besondere an einer Breitling?

S.W.: „Ich bin Sammler und großer Liebhaber von alten Breitling-Navitimern, weil es Uhren sind, die eine lange Tradition haben und es gibt eigentlich sehr wenige Uhren in der gesamten Branche, die sich über Jahrzehnte optisch kaum verändert haben.“ (Stefan Wortmann zieht seinen schwarzen Präsentationshandschuh an und öffnet seine Uhrensammlung. Zielstrebig greift er zu einem schwarzen Breitling Navitimer von 1958 Alle Uhren, angefangen mit dieser hier, entwickelt im Auftrag der AOPA, der weltweiten Fliegervereinigung, die Breitling diesen Auftrag erteilte, sind im Grunde von der ganzen Aufmachung immer noch so wie ein aktuelles Modell heute. Das besonders Typische für den Breitling Navitimer ist dieser Außenring, der sich drehen lässt. Er ist praktisch ein Rechenschieber. Selbst ein Lindbergh hatte weit vorher nur eine vereinfachte Möglichkeit mit seiner Uhr in der Luft über den Atlantik zu kommen und seine Berechnungen zu machen, um Europa zu finden. Spritverbrauch. Vorhaltung gegen den Wind. Es ist mir schleierhaft wie er es geschafft hat, in einer Klapperkiste in der Luft etwas darauf abzulesen, aber es hat funktioniert. Seitdem gilt Breitling als Spezialist für technische Zeitmesser und gehört zu den Leadern für Piloten und Aviatiker, weil man sich auf diese hochleistungsstarken, robusten und präzisen Armbandchronographen einfach verlassen kann. Das ist ein anspruchsvoller und exklusiver Bereich, dem sich Leon Breitling 1884 erstmals in Jura in der Schweiz widmete. Er entwickelte übersichtliche, wasserdichte und präzise Techniken für Chronographen und Zähler, Präzisionsinstrumente für Sport, Wissenschaft, Industrie, die härtesten Bedingungen standhalten, und nahm vor allem an den Highlights bei der Eroberung der Luft immer aktiv teil. Und diese Tradition der Fliegeruhren ist bis heute gegeben. Wenn ich heute ein aktuelles neben ein älteres Modell lege, stelle ich immer noch die gleiche, wiederkehrende visuelle Erscheinung fest und das seit Jahrzehnten. Das gibt es in unserer Branche eigentlich gar nicht, dass man eine Uhrform nicht verändert. Das ist sehr besonders. Und das macht eine Breitling Uhr heute zu einem Sammlerstück. Genau wie meine alten Uhren, die jetzt schon Sammlerstücke sind, werden sich auch die Uhren, die heute herausgegeben werden, bald als Sammlerstücke erweisen.“


Wenn es nicht die äußere Form ist, die sich wandelt, was hat sich dann verändert? Welche Details sind neu?

S.W.: „Verändert hat sich in erster Linie das Uhrwerk. Früher war es ein von einem Schweizer Werkhersteller zugekauftes Uhrwerk. Er stellte sie nicht nur für Breitling sondern auch für andere Uhrenhersteller her. In den aktuellen Stücken von Breitling ist ein Manufakturwerk verbaut. Breitling hat zum 125. Jubiläum ein eigenes Uhrwerk herausgebracht. Man muss sich vorstellen, dass es Millionen kostete und fünf Jahre Entwicklungszeit brauchte, um ein eigenes Uhrwerk herzustellen. Und da ist dieses Manufakturkaliber in die Uhr integriert worden und vereint bis heute in den Navitimern die Tradition des alten Looks mit dem hochwertigen Uhrwerk, das selbst entwickelt wurde und bis heute verbaut wird. “


Wann haben Sie mit Ihrer Sammlung begonnen und ist es üblich, als Sammler in einer Reihenfolge zu sammeln?

S.W.: „Gesammelt wird sowohl nach Linie als auch querbeet, je nach eigener Auffassung vom größten Spaß am Sammeln. Die gebrauchten alten Breitling-Uhren gewinnen weiter an Wert. und eine Breitling ist heute eine stabile Anlage. Ich habe mich jetzt dazu entschlossen, die Navitimer Serie zu komplettieren, denn sie macht mir am meisten Spaß und entwickelt sich wertmäßig am Besten.“


Und wie steht es um die Verfügbarkeit?

Wenn ich mir diese Reihe kaufen möchte, brauche ich nur genug Geld oder auch genug Zeit?

S.W: „Beides (lacht), die Uhren sind schon verfügbar, aber die Preise haben sich sehr entwickelt. Da viele Sammler über das Internet agieren, muss man schon aufpassen. Es ist ähnlich wie bei einem Oldtimer; man kann viel Geld ausgeben, aber bekommt keine gute Qualität. Das ist bei einer Uhr genau so. Es gibt im Netz viele Uhren, die keine gute Qualität haben. Ohne das nötige Know-how ist man da manchmal ausgeliefert. Das heißt, im Uhrwerk sind falsche Komponenten eingebaut worden oder die Zeiger passen nicht zu dem originalen Zifferblatt. Es muss ja auch immer alles zu dem Jahr, in dem die Uhr ausgeliefert wurde, passen. Das ist spannend. Das ist die Schnitzeljagd daran.“


Wie steht es um die Ersatzteile? Wenn Sie eine Uhr mit falschen Zeigern gekauft haben, dann müssen die alten Zeiger ja woanders herkommen, oder stehen die Zeigermodelle bei Breitling dann nachträglich zum Kauf?

S.W.: „Es gibt nur noch sehr wenige Bestandteile bei Breitling selber. Zu den meisten Ersatzteilen verhilft einem ein gutes Netzwerk, welches man sich aufbauen muss. Glücklicherweise gibt es außerdem auch noch alte Uhrmacher, die noch Lagerbestände haben. Diese Uhrmacher muss man kennen und da kann man sich etwas organisieren. So funktioniert die Sammellust.“


Da herrscht also eine große Spaß-Sammelkomponente vor?

S.W.: „Genau, wie z.B bei dem Zeigen meiner ältesten Uhr, die ich habe. Das ist diese hier. Die Zeiger habe ich durch ganz viele Umwege noch in der Schweiz bekommen. Es sind die Originalzeiger, die 1952 auch aufgesetzt wurden. Solche Schätze sind natürlich nicht preiswert, aber man kauft sie, denn man will die Uhr so original wie nur möglich haben. Und die Zeiger, die vorher darauf saßen, waren eben nicht original. Es macht einfach Spaß und ist toll, wenn man eine Uhr komplett und vollkommen echt hat.“


Tragen Sie Ihre Sammlerstücke auch?

S.W.: „Selten. Wenn wir mal bei Oldtimer-Ausfahrten dabei sind, dann hole ich eine alte Uhr raus. Da trage ich eine alte Uhr zu meinem alten Auto (lacht).“


Erkennt man diese Sammelstücke am Handgelenk? Haben Kenner ein so geschultes Auge dafür, wer was am Handgelenk trägt?

S.W.: „Ja, also diese Modelle sind schon bekannt, aber das Schöne ist: Es ist Understatement pur. Das sind leise Klassiker. So eine Uhr wie diese, wird gerade ein einziges Mal bei eBay angeboten und liegt im höheren vierstelligen Bereich – als eine Uhr aus den siebziger Jahren wohl gemerkt, weil sie wirklich extrem selten ist.“


Jetzt sind die Uhren alle sehr einheitlich geblieben und es hat sich wenig verändert, das ist ja eigentlich für den Hersteller einfach, wenn er nicht viel verändern muss. Seltsam, dass das eben auch das besondere an den Uhren ist, oder?

S.W.: „Genau das ist eben das Exklusive, dass jemand 1952 eine Vision hatte so etwas langlebiges und trendsicheres zu produzieren, was über so viele Jahrzehnte den Geschmack bei den Kunden heute immer noch trifft. Das ist sehr besonders. Es ist vergleichbar mit einem Porsche 911, den es seit Jahrzehnten gibt. Eigentlich sieht er immer noch gleich aus, hat sich aber im Detail in seinen Varianten schon x-mal verändert. Auch diese Uhren sind in kleinen Varianten immer wieder verändert worden,aber sie sind visuell im Grunde genommen immer die gleichen geblieben. Die Uhr kann zwar viel mehr und ist im Wesentlichen viel wertvoller geworden, durch das Werk zum Beispiel, aber sie hat immer diese gleichbleibende fantastische Form.“


Sind die Uhren reiner Luxus? Und hat sich dieser Luxus verändert?

S.W.: „Ja, sie sind der leise Luxus, der das Leben schöner macht. Es ist schon so, dass Uhren heute als Wertanlagen gesehen werden. Das ist der größte Luxus beim Kauf dieser Artikel. Diese Uhr z.B. wird auch das Spiegelei genannt, weil sie so schön groß ist. In den 70ern war das eine Sensation, dass eine so große Uhr rausgekommen ist, die einen 50mm Durchmesser hat und auch für Piloten konstruiert wurde. Diese konnten sie A besser lesen und B hatten sie noch mehr Möglichkeiten andere flugrelevante Informationen darauf abzulesen. Das „Spiegelei“ gehört allerdings nicht zu den Navitimern sondern zu den Chronomaten. Darum wurde auch die Krone auf die andere Seite versetzt. Sie gibt es als erste Automatikuhr, die sich selbst durch die Bewegung aufzieht. Breitling hat damals, zusammen mit Heuer und Büren, Anfang der siebziger Jahre, dieses Werk erfunden, bei dem sie die Krone auf die andere Seite gesetzt haben, damit sie nicht ins Handgelenk drückt. Und dann gelang Breitling eine Sensation mit dieser Uhr. Nach einer wirtschaftlich schwächeren Zeit, hat sich Breitling mit dieser Uhr wieder ganz nach vorne katapultiert. Und zwar Anfang der 70er Jahre mit dem ersten Automatikwerk und dann auch noch in dieser Größe. Auch das ist eine Ikone. In diesen Geschichten liegt für mich als Uhrmacher die ganz große Faszination. Die Faszination der Technik und des Besonderen, des puren Designs. Einer der wahren Klassiker.“